Zu Hause sterben – oft ein unerfüllter Wunsch

Koordinatorinnen des Palliativ-Netzes kümmern sich um Patienten und Angehörige / Mittwoch Telefonaktion

KREIS COESFELD (ds). Immer mehr Schwerkranke und Sterbende im Kreis Coesfeld werden vom Palliativ-Netz betreut. Ziel dabei ist, dem Willen der todkranken Menschen gerecht zu werden,von denen viele die letzte Lebensspanne lieber in der vertrauten Umgebung als in einem Krankenhaus verbringen wollen.

Viel zu oft bleibt dieser Wunsch aus verschiedensten Gründen unerfüllt. Um 747 Palliativ-
Patienten, darunter 551 neue Fälle, kümmerten sich die drei Koordinatorinnen des Vereins im vergangenen Jahr – das sind 36 Prozent mehr als 2012.

„Wir haben mit der Betreuung von 300 bis 400 Patienten pro Jahr kalkuliert“, berichtete Vorsitzender Dr. Hartmut Hoppe (Havixbeck), dass der rasante Anstieg der Zahlen die Verantwortlichen des Vereins ziemlich überrascht habe.

Durch eine weitere Verbesserung der Zusammenarbeit mit Pflegediensten (ambulant und stationär) sowie Hospizgruppen soll versucht werden, das aufzufangen. Das Palliativ-Netz, dem Mitglieder verschiedenster haupt- und ehrenamtlicher Professionen – von Ärzten über Pflegedienste bis hin zu ambulanten Hospizgruppen – angehören, ist im Kreis Coesfeld Mitte 2010 gegründet worden.

Im Januar 2011 begann die Arbeit der Koordinatorinnen Roswitha Scheele und Reinhild Bohms, die mittlerweile von Hedwig Benning als dritter Fachkraft unterstützt werden.
Sie koordinieren individuelle Hilfen für Patienten, Angehörige, Ärzte und Pflegende.
„Meist ist es so, dass viele helfen wollen, zum Beispiel aus dem Nachbarschafts- und Bekanntenkreis – aber tatsächlich ist dann doch keiner da“, weiß Bohms. „Wir erstellen Pläne,
gucken von außen drauf“, schildert sie die Aufgaben der Koordinatorinnen.

Vor allem verstehen sie sich als diejenigen, die die Wünsche des Patienten durchzusetzen versuchen – auch gegenüber der eigenen Familie. Bohms: „Sein Selbstbestimmungsrecht soll erhalten bleiben.“ Dafür sind sie viel im Kreisgebiet unterwegs.

„Vom Schreibtisch aus kann man das nicht“, erklärt Scheele, die wie ihre Kolleginnen
als Krankenschwester mit Palliativ-Care-Zusatzausbildung viel praktische Erfahrung hat. Wichtig
sei, immer den Patienten und die Familie zusammen im Blick zu behalten, sonst funktioniere es nicht. Angehörige seien dankbar für Informationen – zum Beispiel zu den verschiedenen Phasen des Sterbens. Das gebe Sicherheit. „Wir wussten, dass das normal ist, wenn man stirbt“, habe ihr eine Angehörige mal gesagt, als ihre Mutter zu Nesteln anfing.

Ihnen selbst gebe die Arbeit auch viel. Scheele: „Man lernt das Leben kennen.“ Und Bohms ergänzt: „Man wird sehr zufrieden.“

Am kommenden Mittwoch (22. 1.) bietet unsere Zeitung von 17 bis 19 Uhr eine Telefonaktion zur Versorgung Schwerkranker und Sterbender an. Leser können dann den Koordinatorinnen des Palliativ-Netzwerks und dem Vorsitzenden Dr. Hartmut Hoppe Fragen stellen, die ihnen zum Thema unter den Nägeln brennen. Die Telefonnummern geben wir in der Mittwochs-Ausgabe auf der Kreisseite bekannt.

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